Deutsche Tageszeitung - Online-Händler Shein will mit Börsengang am 1. September Geld für Expansion sammeln

Online-Händler Shein will mit Börsengang am 1. September Geld für Expansion sammeln


Online-Händler Shein will mit Börsengang am 1. September Geld für Expansion sammeln
Online-Händler Shein will mit Börsengang am 1. September Geld für Expansion sammeln / Foto: © AFP/Archiv

Der Online-Versandhändler Shein will weitere Mittel für seine weltweite Expansion hebeln und geht dafür am 1. September in Hongkong an die Börse. Das umstrittene Unternehmen mit Sitz in Singapur plant 280 Millionen Aktien anzubieten und damit bis zu 13,86 Milliarden Hongkong-Dollar (knapp 1,5 Milliarden Euro) einnehmen, wie der Konzern am Montag in einer Mitteilung an die Börse erklärte. Bei dem Börsengang wird Shein mit 210,3 Hongkong-Dollar (rund 23 Milliarden Euro) bewertet.

Textgröße ändern:

Die eingenommenen Mittel will der Konzern nach eigenen Angaben zum Großteil dazu nutzen, um seine technologischen Kapazitäten zu finanzieren und seine internationale Präsenz zu verstärken. Die Aktien sollen zu einem Preis zwischen 47,60 und 49,50 Hongkong-Dollar angeboten werden. Der endgültige Betrag soll am 31. August bekannt gegeben werden.

Die chinesische Marktaufsichtsbehörde CSRC hatte im Juli den Shein-Börsengang in Hongkong genehmigt. Shein hatte in der Vergangenheit erwogen, in New York oder London an die Börse zu gehen.

Das Unternehmen wurde 2012 in China gegründet, hat seinen Sitz aber inzwischen nach Singapur verlegt. Experten zufolge verlagerte das Unternehmen seinen Sitz, um der auf internationaler Ebene wachsenden Wachsamkeit und Skepsis gegenüber chinesischen Firmen zu entgehen.

Der Online-Händler ist mit seinem Geschäftsmodell, Kleidung und andere Waren billig zu produzieren und zu Schnäppchenpreisen direkt zu vertreiben, weltweit erfolgreich. Shein verkauft seine Produkte in mehr als 150 Länder. In Europa hat Shein etwa 130 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, weltweit sind es nach eigenen Angaben 273 Millionen Kundinnen und Kunden.

Die Kritik an dem Onlinehändler ist groß. Die Vorwürfe reichen von systematischem Plagiieren über eine schlechte Umweltbilanz bis hin zu Zwangsarbeit. Die meisten von Sheins Fabriken sind in China angesiedelt, wo es eine große Textilindustrie mit niedrigen Kosten und ein besonders leistungsfähiges Logistiknetzwerk gibt.

2025 hat Shein einen Umsatz von 41,8 Milliarden Dollar (35,8 Milliarden Euro) und einen Nettogewinn von 2,1 Milliarden Dollar verzeichnet. Anfang des Jahres jedoch rutschte der Konzern in die roten Zahlen und meldete einen Nettoverlust von 99 Millionen Dollar im ersten Quartal, der Umsatz blieb dabei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu konstant. Shein selbst führt die Entwicklung auf gestiegene Konkurrenz durch neue Marktteilnehmer zurück sowie auf die Entwicklung der Regulierung in den Märkten.

So erhebt die EU seit Anfang Juli einen neuen Zoll auf Päckchen aus Ländern außerhalb der EU, womit pro Bestellung mindestens drei Euro fällig werden. Die EU will damit eine Paketflut eindämmen, die in den vergangenen Jahren mit der Beliebtheit von Onlinehändlern wie Shein und Temu gewachsen ist.

Im November 2025 war Shein in Frankreich bereits wegen des Verkaufs von Sexpuppen mit kindlichen Zügen massiv unter Druck geraten. Im Januar dieses Jahres leitete auch die EU-Kommission Ermittlungen im Rahmen des EU-Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) gegen Shein ein. Mit dem Gesetz nimmt die EU große Internetplattformen in die Pflicht, verbotene Inhalte zu entfernen.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Alabali Radovan: Verfügbarkeit von Wasser "zentraler Faktor" für Wirtschaft

Anlässlich des UN-Gipfels gegen Wüstenbildung hat Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) die Bedeutung der allgemeinen Verfügbarkeit von Wasser betont. "In einer Welt zunehmender geopolitischer Spannungen werden gesunde Böden und Wassersicherheit zu einem zentralen Faktor - für Umwelt und Biodiversität, aber auch für Wirtschaftswachstum, Stabilität und internationale Ordnung", erklärte Alabali Radovan am Montag. Die Konferenz COP17 der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung findet von 17. bis 28. August in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator statt.

Gutachten: Neues Heizungsgesetz ist verfassungsrechtlich angreifbar

Das neue Heizungsgesetz, das kurz vor der Sommerpause abschließend beschlossen wurde, steht rechtlich auf wackeligen Beinen. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat einem aktuellen Gutachten zufolge weiterhin "verfassungsrechtliche Zweifel" am sogenannten Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Auch gegen EU-Vorgaben wie die Gebäuderichtlinie könnte das Gesetz demnach verstoßen. Der Befund sei für Union und SPD "hochnotpeinlich", erkärte dazu der Grünen-Abgeordnete Michael Kellner.

Volkswagen-Beschäftigte werfen Vorstand "desaströse Kommunikation" vor

Vor einer Reihe von Betriebsversammlungen haben die Volkswagen-Beschäftigten dem Konzernvorstand des Autobauers "desaströse Kommunikation nach außen" vorgeworfen. Die Mitarbeitenden und ihre Familien seien aufgrund dieses Vorgehens "verunsichert und verängstigt", heißt es in einem Texts des Gesamtbetriebsrats im Intranet, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Der Vorwurf stammt aus einer Online-Erhebung, bei der die Beschäftigten unter anderem ihre Fragen an den Konzernvorstand formulieren konnten.

Deutsche Industrie fordert Bundesregierung zur Wachstumsförderung auf

Kurz vor der Kabinettsklausur der schwarz-roten Koalition hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Bundesregierung zur Wachstumsförderung aufgefordert. Bei jeder Maßnahme der Bundesregierung müsse es "darum gehen, dass es auf Wachstum einzahlt", sagte BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". "Alles, was Wachstum hindert, darf im Moment nicht gemacht werden", fügte sie hinzu.

Textgröße ändern: