Deutsche Tageszeitung - Intensivmediziner fordern Politik in dramatischen Appellen zum Handeln auf

Intensivmediziner fordern Politik in dramatischen Appellen zum Handeln auf


Intensivmediziner fordern Politik in dramatischen Appellen zum Handeln auf
Intensivmediziner fordern Politik in dramatischen Appellen zum Handeln auf / Foto: ©

Deutschlands Intensivmediziner haben angesichts steigender Corona-Infektionszahlen mit dramatischen Appellen eine schnelle Verabschiedung des verschärften Infektionsschutzgesetzes gefordert. Die Lage in den Kliniken sei dramatisch, sagte der Präsident der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, am Donnerstag auf NDR Info. Er sei seit mehr als 20 Jahren in der Intensivmedizin tätig - "so eine Situation habe ich aber noch nicht erlebt", sagte Marx.

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Er rief die Abgeordneten des Bundestages auf, der geplanten Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes zuzustimmen. Jeder Tag zähle. Die Parlamentarier müssten auf gewohnte Beratungsabläufe verzichten und dem Vorhaben der Regierung so schnell wie möglich grünes Licht geben. Am Freitag will der Bundestag erstmals über die Gesetzesverschärfung beraten.

Auch der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, mahnte eindringlich schnelle politische Beschlüsse an. "Wir können es uns nicht leisten, noch wochenlang zu diskutieren", sagte er dem "Tagesspiegel" vom Donnerstag. Auch Karagiannidis sagte, er habe eine Situation wie derzeit in den Krankenhäusern noch nie erlebt: "Wir sind den Tod gewohnt, aber so etwas hat es noch nicht gegeben."

Karagiannidis zufolge treffen derzeit täglich 50 bis 100 Patienten zusätzlich auf Deutschlands Intensivstationen ein. Jeder zweite beatmete Patient versterbe. Angesichts dessen forderte er die Politik zum Handeln auf: "Denn auch nach einer Verschärfung der Maßnahmen werden wir noch mindestens zwei Wochen einen Anstieg von Covid-Patienten auf unseren Stationen verzeichnen."

Auch der frühere Divi-Präsident Uwe Janssens richtete einen eindringlichen Appell an die Politik: "Wir haben fünf nach zwölf, ihr müsst jetzt handeln, es muss jetzt eine Strategie verfolgt werden, die bundesweit einheitlich gilt", sagte er am Mittwochabend im Sender Phönix. "Bislang laufen wir den Dingen hinterher."

Wären die bereits vor Wochen von der Politik beschlossenen Maßnahmen flächendeckend umgesetzt worden, hätte die Pandemie-Entwicklung abgeschwächt werden können. "Die aktuellen Diskussionen zeigen, dass die deutschen Politiker noch nicht verstanden haben, was ihre Aufgabe ist, nämlich die Bürger zu schützen", sagte Janssens.

In Deutschland wurden zuletzt innerhalb eines Tages 29.426 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden zudem 293 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 160,1.

Vor einer Woche hatte das RKI 20.407 Neuansteckungen und 306 Todesfälle gemeldet. Allerdings wies das Institut darauf hin, dass rund um die Osterfeiertage weniger Tests gemacht und gemeldet würden.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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