Deutsche Tageszeitung - VdK: Menschen mit Behinderung von Nutzung von E-Patientenakte ausgeschlossen

VdK: Menschen mit Behinderung von Nutzung von E-Patientenakte ausgeschlossen


VdK: Menschen mit Behinderung von Nutzung von E-Patientenakte ausgeschlossen
VdK: Menschen mit Behinderung von Nutzung von E-Patientenakte ausgeschlossen / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Der Sozialverband VdK hat die mangelnde Nutzbarkeit der elektronischen Patientenakte (ePA) für Menschen mit Behinderung kritisiert. "Aktuell sieht es so aus, dass Menschen mit einer Behinderung vielfach von der Nutzung der ePA ausgeschlossen werden, weil der Zugang zur ePA nicht barrierefrei ist", teilte VdK-Präsidentin Verena Bentele am Dienstag mit. Dieser Ausschluss sei "eine nicht hinnehmbare Benachteiligung".

Textgröße ändern:

Die elektronische Patientenakte hätte insbesondere Menschen mit Behinderungen zugutekommen können, betonte Bentele. "Teilhabe ist kein Geschenk an eine Minderheit, sondern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und der Fairness und muss im Gesundheitssystem zwingend gegeben sein."

Die VdK-Präsidentin forderte daher "dringend eine schnelle Lösung des Problems, damit Menschen mit Behinderung keine Nachteile haben". Eine weitere Herausforderung sieht Bentele zur bundesweiten Einführung der ePA am 29. April beim Datenschutz.

Von diesem hänge die Akzeptanz der E-Patientenakte ab, erklärte Bentele. Auch wenn der scheidende Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) betone, dass Sicherheitslücken geschlossen wurden, "verspüren viele Menschen dennoch einen Rest von Unsicherheit". Denn viele hätten noch die Warnungen von Computerspezialisten und Organisationen aus dem Gesundheitswesen im Ohr, dass die Datensicherheit nicht gewährleistet sei.

"Das Wissen um die Datensicherheit muss dringend bei den Nutzerinnen und Nutzern ankommen, damit die ePA ein Erfolgsrezept wird", forderte die VdK-Präsidentin.

In der elektronischen Patientenakte sollen Diagnosen, Arztbriefe, eingenommene Medikamente und sonstige Gesundheitsdaten zentral erfasst werden. Für Patientinnen und Patienten soll der Zugang zur Akte per App oder Desktop-Computer möglich sein. Auch in ausgewählten Apotheken oder von Berechtigten wie Familienmitgliedern soll sie eingesehen werden können.

Bislang gab es die elektronische Patientenakte auf freiwilliger Basis, seit Mitte Januar bekommen die 73 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland sie automatisch - außer sie widersprechen. Anschließend wurde die ePA in drei Modellregionen getestet, am 29. April wird sie nun bundesweit eingeführt.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Drohende SPD-Blockade bei Pflegereform: Regierung sucht intensiv nach Lösung

Angesichts einer drohenden Blockade der Pflegereform durch die SPD haben Spitzenvertreter von Regierung und Koalition am Montag intensiv nach Lösungen gesucht. Kompromisslinien waren aber vorerst nicht in Sicht: Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) lehnte einen von der SPD geforderten "Pflegedeckel" zur Eigenbeteiligung an Heimkosten ab. Die SPD pochte ihrerseits auf Nachbesserungen bis zum geplanten Kabinettsbeschluss am Mittwoch.

SPD-Gesundheitspolitiker Pantazis fordert bis Mittwoch Änderungen an Pflegereform

Der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis hat die Forderung seiner Partei nach Änderungen an der Pflegereform vor dem geplanten Kabinettsbeschluss am Mittwoch bekräftigt. Bei der gesetzlichen Pflegekasse gebe es "ein eklatantes Gerechtigkeitsproblem im Vergleich zur privaten Pflegeversicherung", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion am Montag im Deutschlandfunk. Er erwarte, dass die Koalition hier bis Mittwoch zu einer grundsätzlichen Einigung komme.

"Ein reines Kürzungspaket": SPD droht mit Blockade der Pflegereform

Die SPD droht damit, den für kommende Woche geplanten Kabinettsbeschluss zur Pflegereform zu blockieren. "Wir akzeptieren keine Leistungskürzung in der Pflege", erklärte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf. "Ein reines Kürzungspaket" mache die SPD-Fraktion nicht mit, betonte auch Fraktionschef Matthias Miersch. Medienberichten zufolge sind für Montag weitere Verhandlungen zwischen Union und SPD geplant. Mehrere Verbände forderten indes ein schnelles Verabschieden der Reform.

Krankenhausgesellschaft fordert schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Angesichts des massiven Fachkräftemangels im Gesundheitssektor hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) eine schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse gefordert. "Die Anerkennungsbürokratie bleibt in Deutschland leider sehr kompliziert und langwierig", sagte DKG-Vorstandsvize Henriette Neumeyer der "Augsburger Allgemeinen" vom Samstag. "Wir fordern bundesweit einheitliche Verfahren und Zuständigkeiten." Derzeit würden Anträge noch von den Landesärztekammern bearbeitet mit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Anforderungen. Hinzu kämen komplizierte und selten digitalisierte Visa-Prozesse.

Textgröße ändern: