Deutsche Tageszeitung - Gutachten empfiehlt Anpassungen im Gesundheitssystem bei innovativer Arznei

Gutachten empfiehlt Anpassungen im Gesundheitssystem bei innovativer Arznei


Gutachten empfiehlt Anpassungen im Gesundheitssystem bei innovativer Arznei
Gutachten empfiehlt Anpassungen im Gesundheitssystem bei innovativer Arznei / Foto: © AFP/Archiv

Die Kosten für Arzneimittel sind der zweitgrößte Ausgabeposten in der gesetzlichen Krankenversicherung. Um dabei die Preisspirale bei innovativen Medikamenten zu stoppen, haben Gutachter nun Anpassungen im Gesundheitssystem vorgeschlagen. Der im Bundesgesundheitsministerium angesiedelte Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege legte am Donnerstag ein umfassendes Gutachten vor, das etwa auf die stärkere Prüfung des Nutzens der neuen Arznei und spätere erneute Preisverhandlungen abzielt.

Textgröße ändern:

"Wir wollen Wege aufzeigen, wie auch in Zukunft Patienten innovative Therapien und teure Medikamente erhalten können", sagte dazu der Onkologe Michael Hallek, Mitglied im Sachverständigenrat, bei einer Pressekonferenz.

Der Mediziner Jochen Schmitt ergänzte, es gehe darum, die "Preisbildungsmechanismen für innovative Arzneimittel zu überprüfen". Dem Gutachten zufolge lag der Durchschnittspreis eines neu eingeführten patentgeschützten Arzneimittels vor 15 Jahren bei rund 1000 Euro - zuletzt schwankte er bei um die 50.000 Euro.

Die Gutachterinnen und Gutachter verwiesen darauf, dass durch den medizinischen Fortschritt künftig noch mehr hochpreisige Medikamente für noch größere Patientengruppen zu erwarten seien, daher drohe eine "Überforderung des Systems".

Das Gutachten empfiehlt deshalb ein "lernendes Gesundheitssystem". So müssten etwa Erkenntnisse über Wirkung und Nutzen der innovativen Medikamente gesammelt, regelmäßig evaluiert und "für Preisnachverhandlungen genutzt" werden.

Preisverhandlungen orientieren sich grundsätzlich am Zusatznutzen der Neuheiten verglichen mit einer "zweckmäßigen Vergleichstherapie". Die Gutachterinnen und Gutachter empfehlen hier automatische Preisanpassungen bei den neuen Medikamenten, wenn die Kosten für die Vergleichstherapie sinken.

Die Preise für Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen werden zwischen den Unternehmen und dem GKV-Spitzenverband verhandelt. Gelingt keine Einigung, entscheidet eine Schiedsstelle, die GKV muss das dann akzeptieren.

Das Gutachten gibt dabei zu bedenken, dass die Pharmaunternehmen bei den Verhandlungen "aus einer Position der Stärke" heraus auftreten, weil sie die Arznei jederzeit zurückziehen könnten. Das Gutachten empfiehlt daher, dass der GKV auch von den Verhandlungen zurücktreten darf.

Nicht zuletzt gehe es bei den Betrachtungen aber auch darum, die Standortfähigkeit der pharmazeutischen Unternehmen zu erhalten, die eine "hohe Bedeutung für die Wirtschaft" hätten, sagte die Gesundheitsökonomin Leonie Sundmacher, ebenfalls Mitglied im Sachverständigenrat. Daher sei eine "gezielte Standortförderung" der Firmen nötig, sagte sie an die Politik gerichtet. Sie nannte etwa die Entlastung von unnötiger Bürokratie sowie steuerfinanzierte Fördermaßnahmen.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Umfrage: Vier von Fünf finden Vorsorge wichtig – doch nur jeder Zweite geht hin

Vier von fünf Versicherten halten Gesundheitsvorsorge für wichtig, doch nur knapp jeder zweite geht auch regelmäßig zu Untersuchungen. Das zeigt eine Umfrage des Instituts Yougov im Auftrag des Ärzteportals Doctolib, deren Ergebnisse der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vorlagen. Die Studie spricht von einem "Präventions-Paradox".

Gesetzlich Versicherte müssen im Schnitt 42 Tage auf Facharzttermin warten

Gesetzlich Versicherte mussten 2024 länger auf einen Facharzttermin warten als noch vor einigen Jahren. Das geht aus Antworten des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die der "Rheinischen Post" (Mittwochsausgabe) vorlag. Laut einer Versichertenbefragung, auf die sich die Bundesregierung beruft, betrug die Wartezeit im Jahr 2024 im Schnitt 42 Tage. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 33 Tage.

Zahnarzt-Kosten: Vorstoß von CDU-Wirtschaftsrat stößt auch in Union auf Ablehnung

Mit seinem Vorschlag, Zahnarzt-Behandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, stößt der Wirtschaftsrat der CDU auch innerhalb der Partei auf breite Kritik. Vor den anstehenden Landtagswahlen warnten führende CDU-Politiker davor, die Bürgerinnen und Bürger mit derartigen Forderungen zu vergraulen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erteilte dem Vorstoß des CDU-nahen Unternehmerverbandes eine kategorische Absage.

Warken schließt Streichung der Erstattung von Zahnarztleistungen aus

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Forderung abgelehnt, Zahnarztleistungen nicht mehr durch die gesetzliche Krankenversicherung zu erstatten. Diese werde "nicht umgesetzt", erklärte Warken am Montag in Berlin. "Das schließe ich aus, denn es wäre eine Abkehr des Kerngedankens unseres Solidarsystems". Zudem widerspreche dies "dem Ziel, Prävention zu stärken".

Textgröße ändern: