Deutsche Tageszeitung - Merz nach G7: "Vorsichtiger Optimismus" zu weiteren US-Sanktionen gegen Russland

Merz nach G7: "Vorsichtiger Optimismus" zu weiteren US-Sanktionen gegen Russland


Merz nach G7: "Vorsichtiger Optimismus" zu weiteren US-Sanktionen gegen Russland
Merz nach G7: "Vorsichtiger Optimismus" zu weiteren US-Sanktionen gegen Russland / Foto: © AFP

Die Staaten der G7-Gruppe wollen den Druck auf Russland verstärken, um den Kreml zu Verhandlungen über ein Ende des Kriegs in der Ukraine zu bewegen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte zum Abschluss der Beratungen beim G7-Gipfel am Dienstag im kanadischen Kananaskis, er sehe Anzeichen für Bewegung bei der US-Regierung, die weitere Strafmaßmahmen gegen Russland bislang noch ablehnt. "Ich gehe mit dem vorsichtigen Optimismus zurück nach Deutschland, dass es auch in Amerika in den nächsten Tagen Entscheidungen geben wird, weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen", sagte Merz in Kananaskis.

Textgröße ändern:

Weiter sagte der Kanzler: "Es bleibt dabei: Wir werden die Ukraine weiter militärisch unterstützen." Darüber gebe es "einen Konsens nicht nur in der Europäischen Union, sondern auch in der Gruppe der G7" – zu der auch die USA zählen. "Wir werden jetzt alle Möglichkeiten weiter ausschöpfen, auch Sanktionen gegen Russland zu verhängen."

Die EU hat sich bereits auf ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland verständigt. Die Europäer wollen, dass die USA ihrerseits weitere Strafmaßnahmen verhängen, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Dazu liegt im US-Senat ein Maßnahmenpaket vor, dem US-Präsident Donald Trump bislang aber noch nicht seine Unterstützung zugesagt hat.

"Wenn wir Möglichkeiten haben, Russland dazu zu bringen, an den Verhandlungstisch zu kommen durch militärische Unterstützung der Ukraine, vor allem aber durch weitere Sanktionen gegen Russland - dann wollen wir diese Möglichkeiten wahrnehmen", sagte Merz. Gegenüber Trump hatte Merz nach eigenen Angaben am Vortag auf dem Gipfel klar gemacht, dass ein Mitziehen der USA unverzichtbar sei, um Sanktionen gegen Russland wirksam werden zu lassen.

Nach der Abreise von Präsident Trump am Vortag habe an den Sitzungen US-Finanzminister Scott Bessent teilgenommen, sagte Merz weiter. Bei der Sitzung, an der auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilgenommen habe, hätten die Gesprächspartner "vor allem die Frage behandelt: Wie schaffen wir es, Russland möglichst bald an den Verhandlungstisch zu bekommen?"

Vor Selenskyjs Ankunft in Kananaskis hatte Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew mit einem der schwersten Angriffe seit Kriegsbeginn vor drei Jahren ins Visier genommen, mindestens zehn Menschen wurden getötet. Der ukrainische Präsident sprach bei seinem Treffen mit den G7-Chefs von einer "großen Tragödie". Sie zeige, dass größerer Druck auf Russland nötig sei, um ernsthafte Friedensgespräche in Gang zu bringen.

Kanzler Merz wertete den Gipfel insgesamt als unerwarteten Erfolg. "Dieser G7-Gipfel ist weitaus erfolgreicher, als ich es am Anfang gedacht habe", sagte er. Es habe "unter allen G7-Staaten einen vollständigen Konsens zu allen Themen gegeben".

Vor dem Gipfel hatte es – auch in deutschen Regierungskreisen – die Befürchtung gegeben, dass sich Trumps Regierung gemeinsamen Positionierungen der Staatengruppe komplett verschließen könnte. Auf dem Gipfel trat Präsident Trump dann aber betont konziliant auf, auch wenn er unter Verweis auf die Krise im Iran einen Tag vor Gipfelende wieder abreiste.

"Ich bin sehr zufrieden mit dem gesamten Verlauf, auch mit der gesamten Gesprächsatmosphäre", resümierte Merz. "Die war sehr kollegial, sehr offen und an keiner Stelle irgendwo kontrovers oder konfrontativ."

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Modschtaba Chamenei: Der Iran hat den Krieg "nicht gesucht"

Der oberste iranische Führer Modschtaba Chamenei hat in einer ihm zugeschriebenen schriftlichen Botschaft erklärt, der Iran wolle keinen Krieg gegen Israel und die USA. "Wir haben den Krieg nicht gesucht und wir wollen ihn nicht", hieß es in der am Donnerstag im iranischen Staatsfernsehen verlesenen Erklärung. "Aber wir werden in keinem Fall auf unsere legitimen Rechte verzichten", fügte Chamenei hinzu.

Kreise: Israel und Libanon wollen nächste Woche in Washington verhandeln

Israel und der Libanon wollen in der kommenden Woche in Washington Gespräche unter Vermittlung der USA führen. Ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums bestätigte am Donnerstag, dass es ein Treffen geben werde, "um die laufenden Waffenruheverhandlungen mit Israel und dem Libanon zu erörtern". Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte direkte Gespräche mit dem Libanon in Aussicht gestellt.

Selenskyj: Ukraine ist bereit für Oster-Feuerpause

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat die Bereitschaft seines Landes für eine vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigte Feuerpause in der Ukraine für die orthodoxen Ostertage signalisiert. "Die Ukraine hat wiederholt deutlich gemacht, dass wir bereit sind, Gegenmaßnahmen zu ergreifen", erklärte Selenskyj am Donnerstag in Onlinediensten. Kiew habe eine solche Feuerpause für die Ostertage vorgeschlagen und werde "entsprechend handeln".

Ausnahmeregelung: Genehmigungspflicht für Auslandsreisen soll wegfallen

Keine Genehmigungspflicht mehr für Auslandsreisen: Das Bundesverteidigungsministerium hat am Donnerstagabend "klarstellende Regelungen" zu der im neuen Wehrdienst-Gesetz festgeschriebenen Regelung angekündigt. Damit werde "auch formal klar geregelt: Jeder Mann darf frei reisen", erklärte das Ministerium. Dies werde mittels Allgemeinverfügung im Bundesanzeiger und interner Verwaltungsvorschrift klargestellt.

Textgröße ändern: