Deutsche Tageszeitung - IAEA-Chef Grossi: Iran könnte schon in einigen Monaten wieder Uran anreichern

IAEA-Chef Grossi: Iran könnte schon in einigen Monaten wieder Uran anreichern


IAEA-Chef Grossi: Iran könnte schon in einigen Monaten wieder Uran anreichern
IAEA-Chef Grossi: Iran könnte schon in einigen Monaten wieder Uran anreichern / Foto: © Satellite image ©2025 Maxar Technologies/AFP/Archiv

Der Iran könnte nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bereits in einigen Monaten wieder mit der Urananreicherung beginnen. Das iranische Atomprogramm sei durch die Angriffe der USA und Israels nicht völlig zerstört worden, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi dem US-Sender CBS laut einem am Samstag veröffentlichten Interview-Transkript. Der Iran äußerte unterdessen Zweifel an Israels Bereitschaft, sich an die seit Dienstag geltende Waffenruhe zu halten.

Textgröße ändern:

Die Iraner könnten "binnen Monaten" oder sogar "weniger" wieder mit einigen Kaskaden von Zentrifugen Uran anreichern, sagte Grossi in dem CBS-Interview. Abgesehen davon sei unbekannt, was nach den Bombardements aus den schätzungsweise gut 408 Kilogramm Uran geworden sei, die der Iran bereits auf einen hohen Grad von 60 Prozent angereichert hatte. Ein Teil davon sei womöglich bei den Angriffen zerstört worden, "aber etwas davon könnte fortgebracht worden sein", sagte Grossi. Weiter angereichert auf 90 Prozent, würde dieses Uran für mindestens neun Atombomben reichen.

Grossi widersprach mit seinen Äußerungen der Darstellung von US-Präsident Donald Trump, die Angriffe hätten das iranische Atomprogramm um "Jahrzehnte" zurückgeworfen. Trump sagte am Wochenende zudem, dass er nicht davon ausgehe, dass der Iran seine Uranvorräte vor den Angriffen auf die Atomanlagen fortgebracht habe. "Das ist sehr schwierig, außerdem haben wir kaum Vorwarnung gegeben", sagte der US-Präsident in einem Interview im Sender Fox News. Sein Außenminister Marco Rubio sprach sich für einen Besuch von IAEA-Inspektoren im Iran aus.

Grossi hatte nach den Angriffen Zugang zu den beschädigten Anlagen gefordert, um die Bestände an angereichertem Uran überprüfen zu können. Die Regierung in Teheran lehnt dies bisher ab. Das iranische Parlament stimmte zudem für die Aussetzung der Zusammenarbeit mit der IAEA. Teheran kritisierte die IAEA dafür, die israelischen und US-Angriffe auf die iranischen Atomanlagen nicht verurteilt zu haben.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte Grossi am Freitag zudem vorgeworfen, die Forderung, die bombardierten Anlagen für eine Sicherheitsinspektion besuchen zu wollen, sei nur ein Vorwand. Die Absichten des IAEA-Chefs seien "möglicherweise sogar boshaft", erklärte Araghtschi im Onlinedienst X.

Nach Angaben der argentinischen Regierung wird der aus dem südamerikanischen Land stammende IAEA-Chef vom Iran bedroht. Das argentinische Außenministerium rief die iranischen Behörden dazu auf, die Sicherheit von Grossi und dessen Mitarbeitern zu garantieren und "von jedweder Handlung Abstand zu nehmen", die das IAEA-Team gefährden könnte. Zur Art der angeblichen Drohungen äußerte sich das Ministerium nicht.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte am Sonntag auf X, Drohungen gegen Grossi und seine Mitarbeiter "aus dem Iran sind zutiefst besorgniserregend und müssen aufhören". Er rief die iranischen Behörden auf Englisch dazu auf, "vollständig mit der IAEA zusammenzuarbeiten und die Sicherheit ihres Personals zu gewährleisten."

Frankreich drohte dem Iran mit neuen Sanktionen für den Fall, dass Teheran nicht bereit sei, für "ernsthafte" Gespräche an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Wie Außenminister Jean-Noël Barrot dem Sender LCI sagte, könnte etwa "das weltweite Embargo für Waffen, Atomausrüstung sowie Banken und Versicherungen" wieder in Kraft gesetzt werden. Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, nach Atomwaffen zu streben, was Teheran bestreitet

Auch Israel hatte seinen Großangriff auf den Iran Mitte Juni mit dem fortgeschrittenen Atom- und Raketenprogramm Teherans begründet. Der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel. Schließlich griffen auch die USA in den Krieg ein und bombardierten die iranischen Atomanlagen Fordo, Natans und Isfahan. Am Dienstag trat nach zwölf Tagen Krieg eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran in Kraft.

Daran, dass Israel sich an diese Vereinbarung halte, habe der Iran starke Zweifel, sagte Teherans Armeechef Abdolrahmin Mousawi am Sonntag im Staatsfernsehen. Der Iran habe den Krieg nicht begonnen. Sollte Israel gegen die Waffenruhe verstoßen, sei die Armee aber bereit erneut, "kraftvoll zu antworten".

Araghtschi forderte den UN-Sicherheitsrat auf, die Verantwortung Israels und der USA für den zwölftägigen Krieg anzuerkennen. Dies schließe auch "Entschädigungszahlungen und Reparationen ein", schrieb er in einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Beendigung des Iran-Krieges: Nouripour fordert "eigenständige Rolle" Deutschlands

Der grüne Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour hat eine zentrale Rolle Deutschlands bei der Sicherung einer Friedenslösung im Iran-Krieg gefordert. "Jetzt gilt es, sich im europäischen Geleit eine eigenständige Rolle zu erarbeiten", sagte Nouripour den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). "Die bisherige Kopf-im-Sand-Haltung der Bundesregierung war nicht im Interesse Deutschlands."

Trump wiederholt nach Treffen mit Rutte Kritik an Nato

Nach seinem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte hinter verschlossenen Türen im Weißen Haus hat US-Präsident Donald Trump seine Kritik an dem Verteidigungsbündnis wiederholt. "Die Nato war nicht da, als wir sie brauchten und sie wird auch nicht da sein, falls wir sie wieder brauchen", erklärte Trump am Mittwoch (Ortszeit) in seinem Onlinedienst Truth Social. "Erinnert euch an Grönland, dieses große, schlecht geführt Stück Eis", fügte er hinzu, ohne weitere Angaben zu machen.

Bericht: Merz offen für höhere Pendlerpauschale und Senkung der Stromsteuer

Angesichts der hohen Benzinpreise ist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einem Medienbericht zufolge offen für eine spürbare Anhebung der Pendlerpauschale. Aktuell ist eine Erhöhung der Pendlerpauschale von derzeit 38 Cent auf bis zu 45 Cent je Kilometer im Gespräch, wie "Bild" (Donnerstagsausgabe) unter Berufung auf Kanzleramtskreise berichtete. Die Entlastung werde im kommenden Jahr im Rahmen der Steuererklärungen bei den Bürgern ankommen.

Beirut: Mehr als 180 Tote und 890 Verletzte bei israelischen Angriffen im Libanon

Bei den massiven israelischen Angriffen im Libanon sind am Mittwoch nach Angaben der Behörden mindestens 182 Menschen getötet und 890 weitere verletzt worden. Die Zahl könne weiter steigen, teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit. Die Hauptstadt Beirut erlebte die heftigsten Angriffe seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz. Israel erklärte, die von den USA und dem Iran vereinbarte Waffenruhe gelte nicht für den Libanon. US-Präsident Donald Trump bestätigte dies.

Textgröße ändern: