Deutsche Tageszeitung - Neue Epstein-Akten ziehen immer weitere Kreise - auch Europäer im Fokus

Neue Epstein-Akten ziehen immer weitere Kreise - auch Europäer im Fokus


Neue Epstein-Akten ziehen immer weitere Kreise - auch Europäer im Fokus
Neue Epstein-Akten ziehen immer weitere Kreise - auch Europäer im Fokus / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Die jüngste Veröffentlichung neuer Dokumente über den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zieht weitere Kreise bis nach Europa. Der britische Premierminister Keir Starmer ordnete am Montag eine Untersuchung zu den Kontakten des früheren britischen Botschafters in den USA, Peter Mandelson, zu dem Sexualstraftäter an. Auch die Namen von Prominenten aus Frankreich, Norwegen und der Slowakei tauchten in den neuen Akten auf, die das US-Justizministerium am Freitag veröffentlicht hatte.

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Die Akten rückten die engen Verbindungen Mandelsons zu Epstein erneut in den Fokus. Es würden nun "alle verfügbaren Informationen über Peter Mandelsons Kontakte zu Jeffrey Epstein während seiner Zeit als Minister" geprüft, sagte Starmers Sprecher. Zudem solle Mandelson aus dem britischen Oberhaus, dem House of Lords, ausgeschlossen werden.

Mandelson war im September wegen der Enthüllungen als Botschafter abgesetzt worden. Grund waren damals bekannt gewordene E-Mails des Briten an Epstein. Den neuen Dokumenten zufolge soll der Labour-Politiker Anfang der 2000er-Jahre mehrfach Geld von Epstein erhalten haben. Weitere Dokumente sollen Überweisungen Epsteins an Mandelsons Lebenspartner Reinaldo Avila da Silva belegen. Mandelson war zum damaligen Zeitpunkt Minister.

In einem Interview mit der BBC sage Mandelson, er wisse nicht, ob die Bankauszüge authentisch seien. Am Sonntagabend trat er jedoch aus der Labour-Partei aus mit der Begründung, er wolle die Partei "nicht weiter in Verlegenheit bringen".

Auch der Name des früheren französischen Kultur- und Bildungsministers Jack Lang taucht in den neuen Epstein-Akten auf. Demnach unterhielten Lang und seine Tochter Caroline Kontakte zu dem US-Finanzinvestor. Laut dem französischen Online-Magazin "Mediapart" finden sich in den Akten keine Belege für eine Verwicklung Langs oder seiner Tochter in Epsteins kriminelle Machenschaften. Nach Informationen der Zeitung "Le Monde" bat Lang Epstein um Gefälligkeiten wie die Nutzung eines Autos oder Flugzeugs für sich selbst oder seine Familie.

Er habe den US-Investor "vor etwa 15 Jahren" durch den US-Regisseur Woody Allen kennengelernt, erklärte Lang gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er stehe "in vollem Umfang zu den Verbindungen", die er einst zu Epstein aufgebaut habe. Damals habe für ihn nichts darauf hingedeutet, dass Epstein "im Zentrum eines kriminellen Netzwerks stehen könnte". Er sei "völlig schockiert" gewesen, als er von Epsteins Verbrechen erfahren habe.

Auch in der Slowakei und in Norwegen war Epstein den jüngsten Dokumenten zufolge offenbar vernetzt: Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico akzeptierte am Sonntag den Rücktritt des langjährigen Außenministers Miroslaw Lajcak wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Epstein. Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit räumte "peinliche" Fehler ein, nachdem norwegische Medien berichtete hatten, dass ihr Name mindestens tausend Mal in den neuen Akten auftaucht.

Das Justizministerium in Washington hatte am Freitag mehr als drei Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter E-Mails, Fotos und Videos. Darin erscheinen wieder die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten, darunter der heutige US-Präsident Donald Trump, Tech-Multimilliardär Elon Musk, Microsoft-Gründer Bill Gates und der ehemalige britische Prinz Andrew.

Auch auf das Ausmaß der Verbindungen von Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson zu Epstein werfen die Dokumente ein neues Licht. "Danke, Jeffrey, dass du der Bruder bist, den ich mir immer gewünscht habe", heißt es etwa in einer E-Mail, die "Fergie" im August 2009 an Epstein schrieb - ein Jahr nach dessen erstmaliger Verurteilung. In einer weiteren E-Mail schrieb "Fergie" an Epstein: "Ich stehe zu deinen Diensten. Heirate mich einfach."

Ferguson hatte sich in einem früheren Interview dafür entschuldigt, umgerechnet etwa 17.210 Euro von dem Milliardär angenommen zu haben. Sie betonte, "nie wieder" etwas mit Epstein zu tun haben zu wollen. Das Darlehen hatte sie als "gigantischen Fehler" bezeichnet.

Der US-Investor Epstein stand unter Verdacht, tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals eine nur 18-monatige Haftstrafe.

2019 wurde er unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.

(V.Varonivska--DTZ)

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