Deutsche Tageszeitung - Verfassungsschutz sieht Deutschland durch Angriffe von innen und außen unter Druck

Verfassungsschutz sieht Deutschland durch Angriffe von innen und außen unter Druck


Verfassungsschutz sieht Deutschland durch Angriffe von innen und außen unter Druck

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sieht Deutschland durch Angriffe von Demokratiefeinden im Inneren und ausländische Mächte herausgefordert. "Deutschland steht unter Druck", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichts der Behörde. "Die Gegner unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, sie kommen von außen und von innen." Er verwies dabei insbesondere auf ein steigendes Gewaltpotenzial im Links- und Rechtsextremismus, aber auch auf Sabotageaktionen ausländische Mächte.

Textgröße ändern:

Bei Angriffen von außen gehe die größte Bedrohung "von Russland aktuell aus", sagte Dobrindt. Im Bericht heißt es, fremde Mächte führten "Sabotageoperationen durch, betreiben unzulässige wirtschaftliche oder politische Einflussnahme bis hin zu Tötungsoperationen und verbreiten Desinformation".

Auch hier lebende Oppositionelle und andere politische Gegner stünden im Fokus ausländischer Mächte, heißt es in dem Bericht. Kritiker würden "mit staatsterroristischen Methoden wie Anschlägen, Entführungen oder Tötungen" verfolgt.

"In Anbetracht der Situation sind wir der Überzeugung, dass wir weiter aufrüsten müssen", sagte Dobrindt. Die Regierung werde deshalb über die angekündigte Reform der Nachrichtendienste nun "sehr schnell" entscheiden. Dazu gehöre auch, den Nachrichtendiensten online mehr Befugnisse zu geben, um ihnen auch "aktive Abwehr" zu ermöglichen.

Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität gab der Bericht die Anfang Juni veröffentlichten Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) wieder. Demnach wurde ein Höchststand von 85.837 solcher Straftaten erreicht. Mit Abstand größter Bereich war weiter der Rechtsextremismus (42.544 Fälle), gefolgt vom Linksextremismus (13.490 Fälle). Dobrindt betonte, bei beiden Gruppen sei festzustellen, "dass das gewaltbereite Potenzial deutlich ansteigend ist".

Der Bericht nennt weiter Antisemitismus erneut als "zentrale Herausforderung". "Der andauernde und durch den aktuellen Iran-Krieg nochmals verschärfte Nahostkonflikt wirkt sich weiterhin auf Deutschland aus", heißt es. "Jüdinnen und Juden werden bedroht, jüdische Einrichtungen müssen unter erhöhten Schutz gestellt werden, antisemitische Hetze hat in sozialen Medien und extremistischen Netzwerken erschreckende Ausmaße angenommen."

"Dabei kennt der Antisemitismus keine ideologische Grenze", betonten die Verfassungsschützer. "Er ist zu einem verbindenden Merkmal zwischen Rechtsextremismus, Linksextremismus, dem islamistischen Spektrum und dem auslandsbezogenen Extremismus geworden."

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Vor Koalitionsausschuss: SPD-Linke dringen auf höhere Belastung von Superreichen

Vor den entscheidenden Gesprächen der Koalition über künftige Reformen haben mehrere SPD-Linke darauf gedrungen, Vermögende in Deutschland stärker zur Verantwortung zu ziehen. "Neben Leistungskürzungen und mehr Belastungen für die breite Bevölkerung gibt es auch den Weg, die extrem Reichen in diesem Land und ihre Vermögen stärker heranzuziehen", heißt es in einer Stellungnahme von fünf Abgeordneten zum Koalitionsausschuss. Das Impulspapier lag AFP am Dienstag vor.

Studie: Reform von Einkommensteuer würde große Haushaltslöcher verursachen

Die schwarz-rote Koalition will die Einkommensteuer reformieren - einer Studie zufolge könnte das jedoch zu Steuer-Mindereinnahmen in Milliardenhöhe führen. Eine spürbare Entlastung für breite Einkommensschichten reduziere die staatlichen Steuereinnahmen um zweistellige Milliardenbeträge im Jahr, teilte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag mit. Dies würde die Haushaltslöcher von Bund, Ländern und Gemeinden noch weiter vergrößern.

Umfrage: Bundeskanzler Merz zählt weiter zu unbeliebtesten Politikern

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat weiterhin mit schlechten Beliebtheitswerten zu kämpfen. Im Politiker-Ranking des Instituts Insa belegte er laut Mitteilung vom Dienstag erneut den letzten Platz unter den 20 wichtigsten Volksvertretern. Damit blieb sein Wert unverändert im Vergleich zur Vorwoche. Auftraggeber für die Umfrage war die "Bild"-Zeitung.

Iran-Abkommen: Wadephul pocht auf freie Schiffspassage durch Straße von Hormus

Nach dem Treffen mit seinem US-Kollegen Marco Rubio hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) auf eine freie Schiffspassage durch die Straße von Hormus gepocht. "Jetzt kommt es darauf an, eine tragfähige Lösung zur sicheren, freien Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu erreichen", schrieb Wadephul am Dienstag im Onlinedienst X mit Blick auf die laufenden Verhandlungen über eine dauerhafte Friedenslösung zwischen den USA und dem Iran.

Textgröße ändern: