Deutsche Tageszeitung - Verdi: Aktionstage zu Arbeitsbedingungen bei Amazon

Verdi: Aktionstage zu Arbeitsbedingungen bei Amazon


Verdi: Aktionstage zu Arbeitsbedingungen bei Amazon
Verdi: Aktionstage zu Arbeitsbedingungen bei Amazon / Foto: ©

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und mehrere Beratungsnetzwerke machen von Mittwoch bis Samstag mit bundesweiten Aktionstagen gegen die Arbeitsbedingungen von Zustellerinnen und Zustellern bei Amazon aufmerksam. Diese Beschäftigten arbeiteten oft bei Subunternehmen "unter prekären Bedingungen und unter enormen Zeitdruck", erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. Amazon wies die Vorwürfe zurück.
 
"Der Online-Handel boomt, und Amazon als weltgrößter Online-Händler verdreifacht seinen Gewinn", sagte Kocsis. "Den Preis dafür zahlen auch die Beschäftigten, die die Pakete transportieren und zustellen".
 
Die Aktionstage unter dem Motto "#ausgeliefert" finden nach Angaben von Verdi bundesweit an 30 Standorten statt, unter anderem in Hamburg, Dortmund, Essen, Nürnberg, Pforzheim und Gera. Bei den Aktionen sollen Betroffene auch auf mehreren Sprachen beraten und über ihre Rechte aufgeklärt werden. An der Auftaktveranstaltung am Mittwochmorgen in Berlin wollte neben Kocsis auch Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz teilnehmen.

Kocsis forderte Amazon auf, die Angestellten von Subunternehmen direkt im eigenen Unternehmen anzustellen. Die Sozialversicherungsträger sollten außerdem prüfen, ob es sich bei den Beschäftigungsverhältnissen der Amazon-Flex-Fahrer um Scheinselbstständigkeiten handele. "Die Politik ist gefordert, die Kontrollen in der gesamten Branche auszuweiten, um Verstöße gegen geltendes Recht, etwa gegen das Mindestlohngesetz, konsequent zu ahnden", sagte Kocsis.

Verdi und DGB forderten außerdem, das seit 2018 für die Paketbranche geltende Gesetz zur Nachunternehmerhaftung auf die gesamte Speditions- und Logistikbranche auszuweiten. Amazon müsste dann Sozialbeiträge für Beschäftigte nachzahlen, wenn einer ihrer Subunternehmer diese Beiträge nicht oder nicht vollständig gezahlt hat.

Amazon erklärte am Mittwoch, die Vorwürfe entsprächen nicht der Wirklichkeit der Tausenden an Menschen, die bei Lieferpartnern in ganz Deutschland beschäftigt sind. "Wir haben hohe Erwartungen an unsere Lieferpartner und verlangen von ihnen, dass sie ihren Fahrer:innen eine erstklassige Arbeitserfahrung bieten." Alle Lieferpartner seien vertraglich verpflichtet, alle geltenden Gesetze einzuhalten, insbesondere in Bezug auf Löhne, Sozialabgaben und Arbeitszeiten; Amazon untersuche dies regelmäßig. In Deutschland habe das Unternehmen zudem eine Fahrer-Hotline eingerichtet. Dort könnten Zustellerinnen und Zusteller "ihr Feedback auch anonymisiert teilen".

An Scholz gerichtet erklärte das Unternehmen, es würde sich freuen, mit ihm über "die bereits vorhandene, umfangreiche Vergütung, Sozialleistungen und modernen Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter:innen und Fahrer:innen zu sprechen". Amazon habe etwa den Einstiegslohn von zwölf Euro bereits eingeführt und "seit Juli für die meisten Amazon Mitarbeiter:innen in Deutschland Realität werden lassen". Auch die Lieferpartner würden entsprechend vergütet, damit sie ihre Beschäftigten gut bezahlen könnten.

(M.Dorokhin--DTZ)

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