Deutsche Tageszeitung - Klingbeil warnt vor sozialer Schieflage bei geplanten Sozialreformen

Klingbeil warnt vor sozialer Schieflage bei geplanten Sozialreformen


Klingbeil warnt vor sozialer Schieflage bei geplanten Sozialreformen
Klingbeil warnt vor sozialer Schieflage bei geplanten Sozialreformen / Foto: © AFP/Archiv

SPD-Chef Lars Klingbeil hat die Regierungskoalition vor Ungerechtigkeit bei den geplanten Sozialreformen gewarnt. "Wir brauchen Strukturreformen, um die Beiträge dauerhaft stabil zu halten", sagte Klingbeil den Funke-Zeitungen vom Samstag. "Dabei erwarte ich von allen Verantwortlichen mehr Phantasie als einfach nur Leistungskürzungen für die Arbeitnehmer." Bei allen Reformen müsse gelten: "Wir bleiben ein Land, das Menschen hilft, die in Not geraten, die krank werden und Hilfe brauchen."

Textgröße ändern:

Die Notwendigkeit von Reformen zweifelte der Bundesfinanzminister aber nicht an. "Wir sind in der Verantwortung, vernünftig mit dem Geld umzugehen. Keine Option kann vom Tisch genommen werden." Es brauche Veränderungen, es brauche Strukturreformen. "Dazu muss jeder und jede seinen Teil beitragen. Und für mich ist das wichtigste: Am Ende muss es gerecht zugehen."

Zugleich betonte Klingbeil, die Koalition habe die Kraft für "echte Reformen". Mit Blick auf die Rente sagte er: "Wir haben jetzt Reformkommissionen eingesetzt. Das dürfen keine Laberrunden werden, es braucht konkrete Entscheidungen." Er selbst könne sich vorstellen, die private Altersvorsorge weiter zu stärken. "Aber die wichtigste Säule wird die gesetzliche Rente bleiben, und dafür braucht es Ideen."

Eine Kopplung des Rentenalters an das Lebensalter lehnte Klingbeil strikt ab: "Für viele ist es gar nicht möglich, ein Rentenalter von 67 zu erreichen, weil sie nicht mehr können." Stattdessen solle es attraktiver werden, freiwillig länger zu arbeiten.

Die Koalition hat eine Reihe von Sozialreformen vereinbart - auch, um die Sozialsysteme angesichts der steigenden Kosten und der angespannten Haushaltslage bezahlbar zu halten. Konkrete Vorschläge sollen von Fach-Kommissionen erarbeitet werden.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Hohe Spritpreise: Klingbeil pocht trotz Absage des Kanzlers auf Markteingriffe

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) pocht trotz der Absage von Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf Markteingriffe in der Spritpreiskrise. "Das Wirksamste ist gerade der Eingriff in den Markt. Das sehen wir in anderen europäischen Ländern", sagte Klingbeil in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe). "Und ich finde, wir sollten diesen Mut auch haben."

Iran-Krieg: US-Inflation springt im März auf 3,3 Prozent

Im Iran-Krieg ist die Inflation in den USA sprunghaft gestiegen. Die Verbraucherpreise legten im März um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Das waren 0,9 Prozentpunkte mehr als im Februar. Hauptgrund sind die durch den Krieg massiv erhöhten Öl- und Gaspreise.

Reiche für Direktzahlung zur Unterstützung von Pendlern in der Spritpreiskrise

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hält direkte Finanzhilfen für Pendlerinnen und Pendler zur Entlastung von den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen für möglich. Der frühere Finanzminister Jörg Kukies (SPD) habe es geschafft, einen Direktzahlungsmechanismus über eine App einzurichten, dort seien rund 14 Millionen Kontodaten von Bürgerinnen und Bürgern hinterlegt. "Diesen Mechanismus kann man sehr wohl nutzen, um Pendler, die ganz besonders lange Strecken zu fahren haben, direkt zu entlasten und Geld zuzuweisen", sagte Reiche am Freitag den Sendern RTL und ntv.

"Arbeitsgespräch" bei Klingbeil: "Wertvoller Input" für Koalitionsausschuss

Beim Treffen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit Vertreterinnen und Vertretern von Gewerkschaften und Unternehmensverbänden sind laut einer Ministeriumssprecherin Maßnahmen in der aktuellen Energiepreiskrise erörtert worden. Außerdem ging es um die generelle Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, wie die Sprecherin am Freitag mitteilte. Über die Inhalte des Gesprächs sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Der Finanzminister werde die diskutierten Punkte als "wertvollen Input" mit in die weiteren Gespräche innerhalb der Bundesregierung nehmen.

Textgröße ändern: